Ursachen von Übergewicht – Psyche, Genetik und Stoffwechselstörungen

Übergewicht und Adipositas sind ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, dessen Ursachen komplex und vielfältig sind. Neben ungesunden Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel spielen auch genetische Faktoren, hormonelle Veränderungen und psychische Belastungen eine zentrale Rolle. Das Verständnis dieser verschiedenen Einflussfaktoren ist entscheidend, um effektive und individuelle Präventions- und Behandlungsansätze zu entwickeln.

Das Wichtigste in Kürze
  • Übergewicht entsteht meist durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren wie Ernährungsgewohnheiten, genetische Veranlagung, psychische Belastungen und hormonelle Einflüsse.
  • Ein gestörter Stoffwechsel, bestimmte Erkrankungen oder Medikamente können die Gewichtszunahme begünstigen und die Fettverbrennung beeinträchtigen.
  • Auch Schlafmangel, Stress und ein unausgeglichenes Darmmikrobiom können den Energiehaushalt beeinflussen und die Entstehung von Übergewicht fördern.

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Ab wann spricht man von Übergewicht oder Adipositas?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) anhand des sogenannten Body-Mass-Index (BMI). Der BMI ist ein Richtwert, der das Gewicht in Relation zur Körpergröße stellt.

Formel: BMI = Gewicht in kg / (Größe in m)²

Das Ergebnis wird in Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas klassifiziert. Die Einteilung bei Fettleibigkeit verläuft nochmal in 3 Stufen: Adipositas Grad 1 (i), Adipositas Grad 2 (ii), Adipositas Grad 3 (iii).

Kategorie BMI-Wert Risiko für Folgeerkrankungen
Übergewicht (Präadipositas) 25-29,9 Gering erhöht
Adipositas Grad 1 (i) 30-34,9 Erhöht
Adipositas Grad 2 (ii) 35-39,9 Hoch
Adipositas Grad 3 (iii) 40 oder mehr Sehr hoch

Mit jedem Grad erhöht sich auch das Risiko für Folgeerkrankungen. Je früher Du also Maßnahmen wie Ernährungsumstellung sowie eine Kalorienreduzierung ergreifst, um das Gewicht wieder zu verlieren, desto besser.

So wirkt sich eine zu hohe Kalorienzufuhr oder ein zu hohes Kaloriendefizit aus

Grundsätzlich nimmst Du an Gewicht zu, wenn Du langfristig mehr Kalorien aufnimmst, als Dein Körper verbraucht. Entscheidend für eine erfolgreiche Gewichtsabnahme ist also ein Kaloriendefizit – das heißt, Du musst weniger Kalorien zu Dir nehmen, als Dein Körper benötigt. Wie viel das genau ist, hängt von individuellen Faktoren wie Deinem Geschlecht, Alter, Körpergewicht und Aktivitätslevel ab.

Du hast bereits mit einer Diät begonnen und nimmst trotzdem nicht ab? Dann kann es gut sein, dass Du nicht im Kaloriendefizit bist. Als Faustregel gilt: Wenn Du ein tägliches Defizit von etwa 300 bis 500 Kalorien erreichst, kannst Du pro Woche ca. ein halbes Kilo abnehmen.

Ist das Kaloriendefizit zu groß, schaltet der Körper hingegen in den Überlebensmodus und der Stoffwechsel verlangsamt sich. Um Energie zu sparen, verbrennt der Körper also weniger Kalorien als normal. Zusätzlich baut der Körper Muskelgewebe ab, da Muskeln mehr Energie verbrennen als Fettgewebe. Beides kann dazu führen, dass Du trotz Diät zunimmst.

So berechnest Du Deinen Energieverbrauch

Mit dieser Formel kannst Du Deinen Grundumsatz berechnen:

Frauen: (0,047 × Gewicht in kg - 0,01452 × Alter in Jahren + 3,21) × 239
Männer: (0,047 × Gewicht in kg + 1,009 - 0,01452 × Alter in Jahren + 3,21) × 239

Für Deinen Gesamtenergieverbrauch multipliziere den Grundumsatz mit dem PAL-Wert (Physical Activity Level).1 Der PAL-Wert gibt an, wie viel Energie Du durch körperliche Aktivität zusätzlich verbrauchst. Hier einige Beispiele:

PAL-Wert Aktivität
1,2 Ausschließlich sitzend oder liegend (z. B. bei immobilen Personen)
1,4-1,5 Vorwiegend sitzende Tätigkeit (z. B. Büroangestellte) und wenig körperlich aktive Freizeit
1,6-1,8 Sitzend, mit teilweise stehender oder gehender Tätigkeit (z. B. Berufskraftfahrer:innen, Laborpersonal) und moderaten Freizeitaktivitäten
1,8-1,9 Überwiegend gehende oder stehende Tätigkeit (z. B. Pflegekräfte, Servicepersonal)
2,0-2,4 Körperlich sehr anstrengende Tätigkeiten (z. B. auf dem Bau arbeitende Personen, Leistungssportler:innen)

Bitte beachte: Bei der Berechnung handelt es sich um eine Schätzung, die fehleranfällig ist.

Körperliche Ursachen für Übergewicht

Übergewicht kann z. B. durch genetische Veranlagung, Stoffwechselstörungen oder hormonelle Ungleichgewichte begünstigt werden. Auch altersbedingte Veränderungen, etwa in den Wechseljahren, können das Körpergewicht beeinflussen.

Nachdem Du diese Basis berechnet hast und mit den Kalorien, die Du jeweils pro Tag zu Dir nimmst, abgleichst, kannst Du feststellen, ob Du Dich in einem Kaloriendefizit befindest.

Bitte beachte: Es handelt sich hierbei um eine Näherung bzw. Schätzung Deines Grundumsatzes, die zwar sehr gut, aber immer noch fehleranfällig ist.

So wirkt sich eine zu hohe Kalorienzufuhr oder ein zu hohes Kaloriendefizit aus

Grundsätzlich nimmst Du an Gewicht zu, wenn Du langfristig mehr Kalorien aufnimmst, als Dein Körper verbraucht. Entscheidend für eine erfolgreiche Gewichtsabnahme ist also ein Kaloriendefizit – das heißt, Du musst weniger Kalorien zu Dir nehmen, als Dein Körper benötigt. Wie viel das genau ist, hängt von individuellen Faktoren wie Deinem Geschlecht, Alter, Körpergewicht und Aktivitätslevel ab.

Du hast bereits mit einer Diät begonnen und nimmst trotzdem nicht ab? Dann kann es gut sein, dass Du nicht im Kaloriendefizit bist. Als Faustregel gilt: Wenn Du ein tägliches Defizit von etwa 300 bis 500 Kalorien erreichst, kannst Du pro Woche ca. ein halbes Kilo abnehmen.

Ist das Kaloriendefizit zu groß, schaltet der Körper hingegen in den Überlebensmodus und der Stoffwechsel verlangsamt sich. Um Energie zu sparen, verbrennt der Körper also weniger Kalorien als normal. Zusätzlich baut der Körper Muskelgewebe ab, da Muskeln mehr Energie verbrennen als Fettgewebe. Beides kann dazu führen, dass Du trotz Diät zunimmst.

Der Einfluss des Darmmikrobioms auf die Entstehung von Übergewicht

Das Darmmikrobiom produziert aus komplexen Kohlenhydraten (z. B. Ballaststoffe) kurzkettige Fettsäuren, Acetat, Propionat und Butyrat. Diese können vom Körper als zusätzliche Energiequelle genutzt werden. Die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit1 zeigen, dass ein Ungleichgewicht im Mikrobiom dazu führen kann, dass der Körper dadurch mehr Energie gewinnt als gewohnt. Das kann zu einer erhöhten Kalorienzufuhr und Fettzunahme führen.

Übergewicht durch Vererbung – Gene sind mitverantwortlich

Die Entstehung von Adipositas kann mit der genetischen Veranlagung zusammenhängen. Doch die Gene selbst sind selten der einzige Faktor bei der Entwicklung von Fettleibigkeit und trifft nur in 5 Prozent aller Fälle zu. Vielmehr sind die Ursachen für Übergewicht eine Kombination verschiedener Faktoren und Gewohnheiten. Im Fokus der Forschung stehen bestimmte Genmutationen, die das Hunger- und Sättigungsgefühl verändern und den Stoffwechsel beeinflussen können, darunter:

  • MC4R-Gen: Etwa 2 Prozent aller adipösen Menschen weisen eine solche Mutation auf. Erklärt wird die Neigung zu Übergewicht durch ein größeres Hungergefühl der betroffenen Personen, wodurch sie mehr essen, als der Körper an Kalorien benötigt. Möglicherweise verbrennen sie zudem weniger Kalorien.
  • FTO-Gen: Es handelt sich hierbei um kein Gen im klassischen Sinne. Vielmehr ist es eine Strecke von 47.000 Nukleotiden auf dem Chromosom 16. Es wurden 87 Varianten des Gens entdeckt, die das Risiko, an Adipositas zu erkranken, steigern. Es wird vermutet, dass die Mutationen das Hungergefühl steigern.

Ebenso geht aus einer Studie des American Journal of Clinical Nutrition2 aus dem Jahr 2020 hervor, dass es Menschen mit entsprechender genetischer Veranlagung deutlich schwerer haben, ihr Gewicht zu halten als jene ohne diese Prädisposition. Dies liegt am Grundumsatz des Menschen, welcher größtenteils genetisch bedingt ist. Manche Menschen haben einen hohen Grundumsatz: Der Körper verbrennt insgesamt mehr Energie und hat einen hohen Kalorienbedarf. Diese Menschen nehmen dadurch nicht so schnell zu, auch wenn sie körperlich nicht aktiv sind. Andere Menschen wiederum haben einen niedrigen Grundumsatz und verbrauchen im Ruhezustand nur wenig Kalorien, weshalb sie schnell zunehmen, wenn sie mehr essen, als ihr Körper braucht. Dann besteht ein erhöhtes Risiko für Übergewicht.

Das Hunger- oder Sättigungsgefühl bei Übergewicht

Hormone wie Leptin(Sättigungshormon) und Ghrelin(Hungerhormon) spielen eine zentrale Rolle bei der Regulation des Essverhaltens. Nach dem Essen steigt beispielsweise der Leptinspiegel im Blut an und signalisiert dem Gehirn, dass der Körper satt ist. Übergewicht kann dazu führen, dass die Regulation dieser Hormone gestört wird – zum Beispiel entwickeln manche übergewichtige Personen eine Leptinresistenz, wodurch das Sättigungsgefühl abgeschwächt wird.

Übergewicht durch Stoffwechselstörungen

Stoffwechselprozesse bestehen aus einer bestimmten Reihenfolge chemischer Reaktionen. Dabei wird jeder Schritt von mehreren Enzymen gesteuert. Stoffwechselstörungen entstehen, wenn eines oder mehrere dieser Enzyme nicht richtig funktionieren oder in unzureichender bzw. übermäßiger Menge produziert werden. Oft liegt die Ursache in einer gestörten Hormonproduktion, die den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringt.

Schilddrüsenunterfunktion

Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 haben vor allem eine regulierende Wirkung auf den Stoffwechsel von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse nicht mehr genügend Hormone, wodurch sich diese Stoffwechselprozesse verlangsamen. Aus diesem Grund nehmen Betroffene schneller zu, auch wenn das Essverhalten gleich bleibt. Das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit steigt. Zudem kommt es zu vermehrter Bildung von Ödemen (Wassereinlagerungen).

Übergewicht bei einer Schilddrüsenüberfunktion ist hingegen eher selten. Aufgrund der Überproduktion der Schilddrüsenhormone läuft der Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel auf Hochtouren, was zu einer Gewichtsabnahme führen kann. Zudem haben Betroffene meist einen höheren Grundumsatz. Sie müssen also mehr essen, um nicht abzunehmen. Dennoch kann Übergewicht durch eine erhöhte Kalorienzufuhr aufgrund eines erhöhten Appetits und Heißhungers sowie veränderter Essgewohnheiten entstehen.

Überfunktion der Nebennierenrinde

Nebennieren produzieren viele Hormone, die den Stoffwechsel beeinflussen, unter anderem Cortisol, umgangssprachlich Stresshormon genannt. Bei einer Überfunktion der Nebennieren wird zu viel Cortisol produziert, was Übergewicht und Fettablagerung, insbesondere im Bauchraum, zur Folge haben kann. Dies liegt daran, dass das Hormon die Aktivität von Enzymen im Fettgewebe steigert, die eine vermehrte Speicherung von Fett fördern. Cortisol beeinflusst außerdem das Hunger- und Sättigungsgefühl und fördert einen verstärkten Appetit.

Auslöser können eine Hyperplasie (Überentwicklung) der Nebennierenrinde sowie ein hormonproduzierendes Karzinom (bösartige Krebserkrankung) in der Nebenniere oder in der Hypophyse (Zirbeldrüse, die im Gehirn Hormone produziert, die dann wiederum die Nebennieren zur Hormonproduktion anregen) sein.

Weitere hormonell bedingte Stoffwechselstörungen

Hormonelle Ungleichgewichte können für die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas verantwortlich sein, beziehungsweise die Gewichtsabnahme erschweren. Bitte beachte, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, das heißt, ein bestimmter Hormonmangel oder -überschuss hat je nach Geschlecht andere Auswirkungen.

  • Zu viel Östrogen bewirkt, dass der Körper vermehrt Fettzellen aufbaut und Wasser einlagert. Eine Dominanz an Östrogenen beeinflusst zudem die Produktion von Schilddrüsenhormonen, was häufig eine Stoffwechselstörung zur Folge hat.
  • Progesteron regt den Stoffwechsel an, hält den Insulinspiegel auf einem konstanten Niveau und unterstützt die Fettverbrennung. Bei einem Mangel passiert exakt das Gegenteil: Der Körper produziert zu viel Insulin, der Stoffwechsel wird langsamer und beeinflusst damit negativ die Fettverbrennung.
  • Testosteron bewirkt unter anderem die Freisetzung von Fetten, damit diese abgebaut werden können. Wenn der Testosteronspiegel zu niedrig ist, reduziert sich der Fettabbau.

Verlangsamter Stoffwechsel

Menschen mit Übergewicht berichten häufig von einem langsamen Stoffwechsel, was bedeutet, dass sie weniger Kalorien verbrennen als andere. Dieser kann durch eine genetische Veranlagung, einen Mangel an körperlicher Bewegung, eine unausgewogene Ernährung sowie durch die Einnahme bestimmter Medikamente verursacht werden. Ein auf diese Art verlangsamter Stoffwechsel kann das Abnehmen erschweren. Möglicherweise nimmst Du trotz eines Kaloriendefizits sogar zu. Wenn Du denkst, dass Deine fehlgeschlagene Diät auf Deinen Stoffwechsel zurückzuführen sein könnte, solltest Du ärztlichen Rat einholen.

Lipödem

Faktoren, wie eine hormonelle Umstellung (z. B. während der Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre), können ein Lipödem begünstigen. Die Fettverteilungsstörung steht also im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel, zählt aber nicht zu den Stoffwechselstörungen.

Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, bei der sich das Fettgewebe kontinuierlich vermehrt. Besonders betroffen sind die Hüfte und die Oberschenkel. Dabei erhöht sich nicht nur das Körperfett, sondern es entstehen auch

Wassereinlagerungen. Mit fortschreitender Erkrankung entzündet und schwillt das Fettgewebe an, was sehr schmerzhaft sein kann.

Wechseljahre als Ursache von Übergewicht

Eine deutliche Gewichtszunahme in den Wechseljahren kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden, die nur indirekt mit der hormonellen Umstellung in Verbindung stehen. Dennoch beeinflussen die Wechseljahre, an welchen Stellen sich überschüssige Pfunde bevorzugt anlagern.

Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich der Stoffwechsel, da die Muskelmasse abnimmt und dadurch der Grundumsatz sinkt – der Körper benötigt weniger Energie. Gleichzeitig reduziert sich oft die körperliche Aktivität, was den Kalorienverbrauch weiter senkt. Wird die Ernährung nicht entsprechend angepasst, kann das Körpergewicht steigen.

Ein weiterer Faktor, der die Gewichtszunahme während der Wechseljahre begünstigt, ist das Ausbleiben des Eisprungs. Da der weibliche Körper für den Eisprung und die Eizellreifung viel Energie aufwendet, fällt dieser Verbrauch weg, was zu einer insgesamt geringeren Kalorienverbrennung führt.

Viele Frauen bemerken die zusätzlichen Pfunde besonders am Bauch. Das liegt an der veränderten Hormonproduktion: Während die Produktion weiblicher Sexualhormone abnimmt, steigt der Anteil des männlichen Sexualhormons Testosteron. Dies beeinflusst die Fettverteilung und führt dazu, dass Fett vermehrt im Bauchbereich gespeichert wird, anstatt wie zuvor an Hüften, Oberschenkeln oder Gesäß.

Interessanterweise steigt der Östrogenspiegel zu Beginn der Wechseljahre zunächst an. Dies kann zu Wassereinlagerungen führen, die sich als vorübergehende Gewichtszunahme bemerkbar machen. Im weiteren Verlauf der Wechseljahre reguliert sich dieser Effekt jedoch meist von selbst.

Psychische Ursachen für Übergewicht

Psychische Belastungen wie Depressionen, Angststörungen, ein geringes Selbstwertgefühl oder traumatische Erfahrungen (z. B. durch sexuellen Missbrauch) können das Risiko für Übergewicht erhöhen. Viele Menschen greifen in stressigen, besorgniserregenden oder emotional belastenden Situationen zu Essen, da es kurzfristig Trost und Ablenkung bietet.

Auch das soziale Umfeld spielt eine entscheidende Rolle. Erziehungsnormen und das Essverhalten der Eltern prägen früh das Verhältnis zu Nahrung und können ungesunde Gewohnheiten fördern. Insbesondere wenn Essen als Belohnung oder Beruhigungsmittel eingesetzt wird, kann sich ein problematisches Essverhalten entwickeln.

Darüber hinaus ist die sogenannte Binge-Eating-Störung (BES) ein häufiger Faktor für Übergewicht. Betroffene erleben wiederholte Essanfälle mit einem Verlust der Kontrolle über die Nahrungsaufnahme, was langfristig zu einer erheblichen Gewichtszunahme führen kann.

Wie Depressionen und Gewichtszunahme zusammenhängen

Depressionen und Übergewicht beeinflussen sich wechselseitig. Viele Menschen mit Depressionen kämpfen mit ihrem Gewicht, da emotionales Essen eine häufige Bewältigungsstrategie ist. Umgekehrt leiden viele Menschen mit Adipositas unter depressiven Verstimmungen, sodass sich ein Teufelskreis aus psychischer Belastung und unkontrollierter Nahrungsaufnahme entwickeln kann. Fachleute gehen davon aus, dass genetische, soziokulturelle und psychologische Faktoren für diese wechselseitige Beziehung verantwortlich sind.

Einerseits können Übergewicht und die damit verbundenen körperlichen Einschränkungen die Entstehung depressiver Symptome begünstigen. Andererseits beeinträchtigt ein negatives Körperbild das Selbstwertgefühl und führt zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen. Viele Betroffene berichten von sozialem Rückzug und vermindertem Wohlbefinden, was das Risiko für Depressionen weiter erhöht.

Hormonelle Dysregulation möglich

Die Forschung legt nahe, dass Hormone und bestimmte Signalwege sowohl bei der Entstehung von Adipositas als auch bei Depressionen eine Rolle spielen könnten. Ein möglicher Zusammenhang besteht in einer Überaktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse).Diese Achse steuert die Stressreaktion des Körpers. Bei übergewichtigen Menschen mit Depression könnte sie überaktiv sein, was zu einer erhöhten Ausschüttung von Cortisol in der Nebennierenrinde führt. Dieses Stresshormon regt den Appetit an, was eine Gewichtszunahme begünstigen kann. Sogar bei gesunden Personen wird eine solche Dysregulation mit einer Zunahme des Körpergewichts in Verbindung gebracht.

Übergewicht durch Schlafstörungen

Schlafmangel kann sich direkt auf das Körpergewicht auswirken. Bereits wenige Nächte mit unzureichendem Schlaf können den Appetit steigern und zu einer erhöhten Kalorienaufnahme führen. Wenn der Energieverbrauch gleich bleibt, entsteht ein Kalorienüberschuss – das Körpergewicht steigt und damit das Risiko für Übergewicht.

Zusätzlich verändert Schlafmangel den Stoffwechsel: Der Körper neigt dazu, mehr Fett einzulagern, während gleichzeitig die Insulinsensitivität sinkt. Dies begünstigt nicht nur eine Gewichtszunahme, sondern kann langfristig auch das Risiko für Stoffwechselerkrankungen erhöhen.

Stress als Ursache für Schlafstörungen und Übergewicht

Chronischer Stress kann zu anhaltenden Schlafproblemen führen, da er den Cortisolspiegel erhöht. Dieses Stresshormon steht in direktem Gegensatz zum Schlafhormon Melatonin: Normalerweise steigt der Melatoninspiegel bei Dunkelheit an, während Cortisol absinkt, um einen gesunden Schlaf zu ermöglichen.

Ist der Körper jedoch dauerhaftem Stress ausgesetzt, bleibt der Cortisolspiegel hoch. Dadurch kann das Einschlafen erschwert werden, während tagsüber vermehrte Müdigkeit und Erschöpfung auftreten. Gleichzeitig beeinflusst Cortisol das Hunger- und Sättigungsgefühl, was häufig zu einem verstärkten Appetit nach kalorienreichen, fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln führt – ein zusätzlicher Faktor für Gewichtszunahme.

Medikamenteneinnahme kann zu Übergewicht führen

Da einige Medikamente appetitsteigernd wirken, essen Betroffene im Zuge der Einnahme mehr als normal. Auch Wassereinlagerungen werden durch bestimmte Arzneimittel begünstigt.

Zu den Medikamenten, die eine Gewichtszunahme fördern können, zählen unter anderem:

  • Hormonpräparate (einschließlich Glukokortikoide und Kortisonpräparate)
  • Medikamente gegen Allergien
  • Psychopharmaka (einschließlich Neuroleptika und Phasenprophylaktika)
  • Antiepileptika
  • Antidiabetika
  • Betablocker
Zusammenfassung

Übergewicht hat viele Ursachen, die weit über eine unausgewogene Ernährung und mangelnde Bewegung hinausgehen. Das komplexe Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren wie genetische Veranlagung, hormonelle Ungleichgewichte, psychische Belastungen sowie äußere Einflüsse wie Stress oder Schlafmangel spielen eine wesentliche Rolle. Auch Erkrankungen oder Medikamente können das Gewicht beeinflussen. Ein ganzheitliches Verständnis der Ursachen ist daher essenziell, um langfristige Lösungen für ein gesundes Körpergewicht zu finden.

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Häufige Fragen

Adipositas entsteht meistens durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Hauptursache ist jedoch immer ein Ungleichgewicht zwischen Kalorienaufnahme und -verbrauch. Aber auch Faktoren wie genetische Veranlagung, hormonelle Störungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion), bestimmte Medikamente sowie psychosoziale Einflüsse wie Stress und Schlafmangel spielen eine Rolle.

Ja, genetische Faktoren können eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Adipositas spielen. Beispielsweise wurde das FTO-Gen mit einer erhöhten Kalorienaufnahme in Verbindung gebracht. Mutationen in diesem Gen beeinflussen das Hunger- und Sättigungsgefühl und können dadurch das Risiko für Übergewicht erhöhen.

Die Ernährung ist ein zentraler Faktor. Eine erhöhte Kalorienzufuhr, insbesondere durch energiedichte Lebensmittel wie hochkalorische Fertiggerichte, zuckerreiche Getränke und fettreiche Speisen, kann zu einer positiven Energiebilanz führen und langfristig eine Gewichtszunahme begünstigen.

Bewegungsmangel verringert den Energieverbrauch des Körpers. Wird gleichzeitig eine hohe Kalorienmenge aufgenommen, entsteht eine positive Energiebilanz, die zu einer Zunahme des Körpergewichts führt. Zudem wirkt sich körperliche Inaktivität negativ auf den Stoffwechsel aus und kann zu einer reduzierten Muskelmasse sowie einer verringerten Insulinsensitivität führen.

Ja, hormonelle Ungleichgewichte können zur Entstehung von Übergewicht beitragen. Eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein zu hoher Cortisolspiegel wirken sich beispielsweise negativ auf den Stoffwechsel aus.

Ja, chronischer Stress beeinflusst den Hormonhaushalt, insbesondere durch eine erhöhte Cortisolproduktion. Dies kann Heißhungerattacken, eine vermehrte Speicherung von Fett und emotional bedingtes Essverhalten auslösen, wodurch das Risiko für eine
Gewichtszunahme steigt.

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